
«Jeden Tag sagt jemand, der hier reinkommt: ‹Hier siehts genau so aus wie bei meiner Grossmutter.›» Sabinska Binswanger (rechts) und Geraldine Gschwend, Café-Betreiberinnen
Text:
Alexandra Bröhm und Balz Ruchti
Bild:
Basil Stücheli
«Ich habe vor allem die Leute vermisst», sagt Geraldine Gschwend. Ansonsten kenne sie Heimweh eher nicht. Die 31-Jährige verbrachte ihre Kindheit in Kenia – ohne Alpen und Kuhglockengeläut. Vor sieben Monaten hat sie zusammen mit Sabinska Binswanger, 38, ebenfalls eine ehemalige Auslandschweizerin, im Zürcher Kreis 3 ein kleines Café eröffnet: das Kafi Dihei. «Die Idee war, dass es unser Zuhause sein sollte, weil wir beide irgendwie nicht wussten, wo wir hingehören», sagt Binswanger. «Ein Daheim eben. Es sollte vor allem gemütlich sein.»
ALLES SELBSTGEMACHT – WIE FRÜHER
Das ist es. Eine Wand ist mit Rosenornamenttapete bezogen, in der Ecke steht ein Biedermeiersofa, und durch die stoffbespannten Lampenschirme schimmert warmes Licht. «Jeden Tag sagt jemand, der hier reinkommt: ‹Hier siehts genau so aus wie bei meiner Grossmutter›», sagt Binswanger. Das sei eigentlich keine Absicht gewesen, sie seien beide keine grossen Nostalgikerinnen. «Wir haben einfach Brockenhäuser und Flohmärkte durchstöbert nach Dingen, die uns gefallen haben.» Und damit den Geschmack der meisten Kunden getroffen. Die meisten Gäste fühlten sich wohl. «Und die anderen haben wohl einfach keine guten Erinnerungen an ihre Oma.» Das scheinen nicht viele zu sein, denn Gschwend und Binswanger sind zufrieden mit dem Geschäft.
«Lieber gemütlich als cool» gelte nicht nur beim Einrichtungskonzept, sagt Binswanger: «Die Lokale in Zürich werden immer anonymer, aber bei uns ist immer eine von uns zweien da. Wir wissen, wer Milch zum Espresso will, wer eine Prüfung hat und wer gerade von den Ferien in der Türkei zurückgekommen ist.» Und noch etwas sei wirklich ein bisschen «wie früher»: das kulinarische Angebot. «Brot, Kuchen, Konfi – bei uns ist alles selbstgemacht. Wir kochen lieber einfach und gut statt aufwendig und kalorienarm», sagt Gschwend.
Ganzer Artikel: Beobachter, Nostalgie, die gute alte Zeit








Letzte Kommentare